Deutsche Größen



Rund 25 Milliarden Euro Umsatz macht die Bekleidungsindustrie jährlich. Zu den umsatzstärksten Unternehmen zählen H&M, Zara und C&A. 2009 hat es die bisher größte Vermessungsaktion in Deutschland gegeben, denn ein „einheitliches Größensystem und mehr Zwischengrößen“ gehören zu den zehn am häufigsten geäußerten Konsumentenwünschen. Dank des Internets und der dort immer beliebter werdenden Shops ist es heute leichter denn je, im Ausland einzukaufen oder ausländische Markenkleidung zu bestellen.

Beinahe alle großen Designer wie etwa D&G haben Online-Stores, in denen nach Lust und Laune geshoppt werden kann. Doch nicht immer fällt die Auswahl leicht: Plötzlich muss ein angesagtes T-Shirt in Größe sechs oder sieben bestellt werden, die Jeans in Größe 12 und die Bluse in 48 statt der gewohnten 42. Schuld daran sind die unterschiedlichen Maßtabellen der ausländischen Designer. Doch nicht nur im Ausland wird anders gemessen, auch in Deutschland hat sich einiges verändert.

„Size German-Studie“: Die Deutschen haben zugelegt

Für die „Size Germany-Studie“ wurde deutschlandweit bei mehr als 13.000 Männern, Frauen und Kindern Maß genommen. Ziel der groß angelegten Aktion war es, den veränderten Wachstumsbedingungen der Menschen Rechnung zu tragen und so ein neues, passenderes System der Konfektionsgrößen zu erstellen. Das war auch längst überfällig, denn die letzte Reihenmessung fand bei den Frauen vor 15 Jahren statt, bei den Männern ist es sogar doppelt so lange her.

Das Ergebnis: Die Deutschen sind gewachsen und haben in allen Bereichen bis zu vier Zentimeter „zugelegt“.

Sie sind vor allem breiter geworden. So haben die Frauen im Hüftumfang durchschnittlich rund vier Zentimeter zugelegt, beim Brustumfang sind es etwa zwei Zentimeter. Aufgehört hat hingegen das Längenwachstum bei jungen Menschen. Waren in den 90ern noch deutliche Unterschiede auszumachen, so ist dies heute kaum noch erkennbar. Aber dennoch: Insgesamt gibt es wesentlich mehr überdurchschnittlich große Menschen als noch in den letzten Jahrzehnten. Die Obergrenze muss also neu definiert werden während kleine Menschen auch klein geblieben sind. Bei ihnen hat sich so gut wie nichts getan.

Vermessen wurden übrigens Männer, Frauen und Kinder zwischen sechs und 87 Jahren. Dank hochmoderner Scannertechnologie wurden die Probanden millimetergenau vermessen. Innerhalb nur weniger Sekunden wurden rund 400.000 Messpunkte erstellt, die ein genaues Abbild des Probanden ermöglichten. Das daraus resultierende dreidimensionale Modell bietet eine Fülle von Informationen für die Bekleidungsindustrie.

Längst wurden die Standardgrößen an die neuen Daten angepasst – doch immer noch wünschen sich viele auf lange Sicht ein einheitliches Größensystem zumindest für Europa. Bereits seit 1994 wird auf EU-Ebene darüber debattiert, 2010 setzte sich der niederländische Europa-Abgeordnete Toine Manders für die Abschaffung des „Größenwahns“ ein. Noch viel länger, nämlich seit 1986, kämpft Rolf Langenegger für die Normen.

Einst von einem Schweizer Bekleidungsunternehmen beauftragt, gründete er eine internationale Studiengruppe zur Erarbeitung der „Mondoform“. Da diese jedoch auf Widerstand stieß, gab es erst 1994 durch das Europäische Komitee für Normung (CEN) wieder Antrieb.